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Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e.V. war eine nationalsozialistische Forschungseinrichtung, deren primare Aufgabe darin bestand, wissenschaftliche Belege fur die Abstammung und Uberlegenheit der sogenannten arischen Rasse zu finden (vgl. Rassentheorien).

Die Institution wurde 1935 von Heinrich Himmler (Reichsfuhrer SS), Richard Walther Darre (Reichsbauernfuhrer und Leiter des Rasse- und Siedlungshauptamtes) und dem niederlandischen Privatgelehrten Herman Wirth als Studiengesellschaft fur Geistesurgeschichte gegrundet.

Im Vordergrund standen anfangs archaologische, anthropologische und geschichtliche Forschungen, vor allem uber Heinrich I. (919-936) und das schriftarme 10. Jahrhundert.

Rasch aber nutzte der stark an okkulten Themen interessierte Himmler das Ahnenerbe als Forschungsapparat fur eigene, pseudowissenschaftliche Projekte.

Verhaltnis zu anderen Einrichtungen

Angesichts des Fokus auf germanische Geschichte und Vorgeschichte waren Konflikte mit anderen nationalsozialistischen "Forschungseinrichtungen" abzusehen. An erster Stelle ist dabei das Amt Rosenberg zu nennen, dessen Leiter Alfred Rosenberg sich schon vor der Grundung des Ahnenerbes einen ideologischen Kleinkrieg mit Herman Wirth lieferte. Ein anderer Konkurrent war Karl Maria Wiligut, der Leiter des Amtes fur Vor- und Fruhgeschichte im Rasse und Siedlungshauptamt. Da Himmler ihn als eine Art personliches Medium betrachtete, war das Ahnenerbe gezwungen, mit Wiligut zusammenzuarbeiten, dessen bizarre Gedankenwelt kaum einen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben konnte.

Vorkriegszeit

1937 erfolgte eine Satzungsanderung, die zur Folge hatte, dass etliche Mitarbeiter des Rasse und Siedlungshauptamtes vom Ahnenerbe ubernommen wurden und die vormals enge Zusammenarbeit endete. Au?erdem nutzte man die Gelegenheit, um Wirth aus der Fuhrungsebene des Vereins zu drangen. Dessen spekulative und skurrile Ideen standen im Widerspruch zu dem angestrebten Ideal echter Wissenschaftlichkeit. Unter der Leitung von Wolfram Sievers als Reichsgeschaftsfuhrer und Walther Wust als Prasident expandierte das Ahnenerbe betrachtlich. Es umfasste bald mehrere Dutzend Forschungsabteilungen. Hinzu kamen Fotolabore, ein Museum, eine Bildhauerwerkstatt sowie mehrere Bibliotheken und Archive in verschiedenen Stadten, darunter Munchen, Salzburg und Detmold. Die Finanzierung von Ausgrabungen und Expeditionen (u.a. die Tibet-Expedition von Ernst Schafer 1938) machte sich der Verein ebenso zur Aufgabe wie die Veranstaltung von Tagungen und Kongressen. Gleichzeitig versuchte man gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst SD der SS Einfluss auf die offizielle Wissenschaftspolitik zu nehmen und die Besetzung von Lehrstuhlen zu kontrollieren.

Aktivitaten wahrend des Krieges

Nach dem Ausbruch des 2. Weltkriegs anderte sich die Ausrichtung des Ahnenerbes. Der Raub von Kulturgutern in den besetzten Gebieten wurde ma?geblich von hauptamtlichen Mitarbeitern organisiert. 1940 verlor der Verein seine institutionelle Unabhangigkeit und wurde als Amt A in die Dienststelle Personlicher Stab Reichsfuhrer SS eingegliedert. In den "germanischen" Landern Belgien, Danemark, Niederlande und Norwegen warb man im Rahmen eines Germanischen Wissenschaftseinsatzes Freiwillige fur die Waffen-SS an. Parallel dazu versuchte man durch Projekte, die das vermeintlich gemeinsame germanische Erbe in den Mittelpunkt ruckten, Autonomie- und Widerstandsbewegungen zu schwachen und starker an das kommende Reich nach dem Krieg zu binden.

Siehe auch: Aktion Ritterbusch

Menschenversuche

1942 wurde unter dem Dach des Ahnenerbes mit Mitteln der Waffen-SS das "Institut fur wehrwissenschaftliche Forschung" gegrundet. Dieses Institut fuhrte todliche Menschenversuche an KZ-Haftlingen in den Konzentrationslagern Dachau und Natzweiler durch; einige der beteiligten Arzte waren Mitglieder der Waffen-SS. Sigmund Rascher und August Hirt fuhrten dort Unterdruck- und Kalteexperimente durch. Diese Menschenversuche waren auch Gegenstand der Nurnberger Prozesse, insbesondere des Nurnberger Arzteprozesses.

Im Juni 1943 wahlten die Anthropologen und SS-Hauptsturmfuhrer Bruno Beger und Hans Fleischhacker in Auschwitz judische Haftlinge aus. Sie wurden ins elsassische KZ Natzweiler-Struthof verschleppt und im August 1943 in der dortigen Gaskammer ermordet. Die Leichen sollten fur eine Skelettsammlung an der Reichsuniversitat Stra?burg verwendet werden und der rassischen Propaganda dienen.

Nurnberger Prozesse

Wolfram Sievers wurde als Reichsgeschaftsfuhrer des Ahnenerbes im Nurnberger Arzteprozess am 20. August 1947 zum Tode verurteilt und am 2. Juni 1948 in Landsberg hingerichtet. Sigmund Rascher fiel noch vor Kriegsende in Ungnade und wurde am 26. April 1945 selbst in Dachau hingerichtet. Die meisten Mitarbeiter des Ahnenerbes fassten nach einer mehr oder weniger kurzen Karriereunterbrechung wieder Fu? in ihrem Fachgebiet.

Warum Wissenschaftler so bereitwillig im Ahnenerbe mitgearbeitet haben, lasst sich nicht pauschal beantworten. Nicht alle waren uberzeugte Nationalsozialisten. Fur viele mogen die umfangreichen Forschungsforderungen entscheidend gewesen sein. Aber auch die Moglichkeit, Wissenschaft - gerade im Bereich der Anthropologie und Medizin - ohne ethische Grenzen ausuben zu konnen, war fur einige der ausschlaggebende Punkt.

© Volodymyr Yaremchuk, 2008
E-mail: yaremchuk1@yandex.ru

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