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Thule-Gesellschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Thule-Gesellschaft war eine rassistische, okkulte Geheimgesellschaft, die in der Endphase des Ersten Weltkrieges in München entstand.

Sie wurde nach der mythischen Insel Thule benannt, die unter den alten Griechen als das nördlichste Land galt, weshalb dieser Name für Anhänger eines nordischen Kultes eine mystische Bedeutung hatte.

Entstehung der Thule-Gesellschaft

Die Gesellschaft war um die Jahreswende 1917/1918 aus dem Germanenorden entstanden und wurde von Rudolf von Sebottendorf in München im Hotel Vier Jahreszeiten gegründet, das dem Alldeutschen Verband schon während des Krieges als bedeutendes Zentrum für seine nationalistische Agitation diente. Zu den Mitgliedern gehörten Anwälte, Richter, Universitätsprofessoren, Polizeibeamte, Aristokraten, Ärzte, Naturwissenschaftler sowie reiche Geschäftsleute. Nach außen stellte sich die Gesellschaft als „Studiengruppe für germanisches Altertum“ dar, in Wahrheit handelte es sich aber um eine bayerische Tarnorganisation des Germanenordens, die intern im Stile einer freimaurerischen Loge organisiert wurde. Einige Historiker beschreiben die Thule-Gesellschaft als eine konspirative Geheimverbindung mit rassistischer, speziell antisemitischer Gesinnung. Durch die Anwerbung von möglichst einflussreichen Mitgliedern sollte politische Macht gewonnen und rassistische und antisemitische Propaganda betrieben werden. Auf ihrem Höhepunkt hatte die Gesellschaft vermutlich einige hundert, zum Großteil gut betuchte Mitglieder.

Die Ideologie

Die rassistische Ideologie der Thule-Gesellschaft war stark von Guido von Lists (Mitglied im Germanenorden) Ariosophie inspiriert. Darauf baute auch Alfred Rosenberg (Mitglied der Thule-Gesellschaft und späterer Parteiideologe der NSDAP) in seinem Buch „Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts“ auf. Als Emblem der Thule-Gesellschaft wurde eine Swastika mit Strahlenkranz hinter einem blanken Schwert gewählt. Die Swastika wurde zu dieser Zeit häufig verwendet, da sie zwar weltweit bekannt war, jedoch nicht in Verbindung zu einer der Großen Religionen stand, weshalb sie frei war für eigene Interpretationen.

Die Thule-Gesellschaft als Keimzelle des Dritten Reiches

Der immer wieder hervorgehobene Kontakt zwischen der Thule-Gesellschaft und Adolf Hitler kann über die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) hergestellt werden. Die DAP war im Januar 1919 von Anton Drexler und Karl Harrer (Mitglied der Thule-Gesellschaft) gegründet worden. Über die DAP versuchte die Thule-Gesellschaft auch in der Arbeiterschaft an Einfluss zu gewinnen. Im September 1919 nahm Hitler zum ersten Mal an einer Versammlung der noch kleinen DAP teil und wurde im November deren Mitglied. Im Juli 1921 entmachtete Hitler die Parteiführung und erzwang mit einem Ultimatum seine Wahl zum Vorsitzenden der mittlerweile in „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ (NSDAP) umbenannten Partei.

Aufgrund der Entstehungsgeschichte der DAP und des Umstandes, dass einige ehemals führende Mitglieder der Thule-Gesellschaft auch in der NSDAP wieder auftauchen, wird verständlich, wie Teile der Ideologie der Thule-Gesellschaft in die neue Partei einflossen. Zu diesen Personen gehören neben Alfred Rosenberg unter anderem Julius Streicher (später Herausgeber des Blattes „Der Stürmer“ und fränkischer Gauleiter), Hans Frank (späterer Generalgouverneur von Polen) und Rudolf Heß (späterer Stellvertreter Hitlers)[1]. DAP-Mitgründer Anton Drexler war es auch, der Hitler zur Verwendung des Hakenkreuzes als Zeichen der NSDAP anregte.

Legenden und Spekulationen

Rund um die Thule-Gesellschaft ranken sich inzwischen viele, teils abenteuerliche Legenden und Spekulationen wie beispielsweise der Mythos der Reichsflugscheiben. Viele dieser Theorien entstammen dem Umkreis von Verschwörungstheoretikern wie Jan Udo Holey. So wird immer wieder behauptet, die Thule-Gesellschaft hätte intern eine stark okkulte oder gar satanische Ausrichtung besessen. Jenseits einer gewissen Runen-Mystik kann dies aber nicht nachgewiesen oder belegt werden. Es gibt auch unbelegte Behauptungen, wonach es noch einen inneren Orden, den Thule-Orden, gegeben habe. Auch für die Behauptung, dass Hitler selbst zu irgendeinem Zeitpunkt Mitglied der Thule-Gesellschaft gewesen sei, fehlen Belege. Dies erscheint auch wenig plausibel, denn Hitler äußerte sich mehrfach sehr herabsetzend über die ausschweifenden Theorien Alfred Rosenbergs.

Rechtsextremismus und Thule-Ideologie

Mit dem Bezug auf die Thule-Gesellschaft verbinden sich im Rechtsextremismus ein völkisch-okkultes Denken und zahlreiche antisemitische Verschwörungstheorien.

Der bekannteste Vertreter derartiger Thesen im deutschen Sprachraum ist Jan Udo Holey alias Jan van Helsing in seinen Büchern über "Geheimgesellschaften".

Vergleichbare Ansichten finden sich bei Wilhelm Landig und Miguel Serranos „esoterischen Hitlerismus“ : „Hierbei werden esoterische Themenfelder wie Auffassungen der Reinkarnations- und Wiederauferstehungslehre vermischt mit der Verteidigung des historischen Nationalsozialismus.“ [6] Der Rechtsextremismusforscher Andreas Klump sieht in der Thule-Ideologie und der Ariosophie, alt-germanischen Glaubensvorstellungen und völkischen Ideologiefragmenten einen „Rahmen für das (historische) völkische Denken, in dessen Tradition verschiedene heutige rechtsextremistische Organisationen stehen.“ Dazu zählt er die „Artgemeinschaft“ (Hauptfunktionär ist hier Jürgen Rieger, NPD) und den „Bund für Gotterkenntnis“. Mit Begrifflichkeiten wie „arteigene natürliche Umwelt“ seien diese anschlussfähig an „Teile der esoterischen Szene“.

Der Einfluss völkischen Gedankengutes aus der Thule-Ideologie für die Neue Rechte zeigt sich auch an den Aktivitäten wie dem rechtsextremistischen Thule-Seminar, das 1980 gegründet wurde. Ziel der Organisation sei die Zurückdrängung des Pluralismus und einer „offenen Gesellschaft“: „Der Egalitarismus in seinen verschiedenen Varianten: Christentum, Judentum, Marxismus und Liberalismus ist Hauptursache für die tiefe Dekadenz der modernen Welt."

Versatzstücke der völkischen Thule-Ideologie finden sich auch in anderer, die SS verherrlichenden Literatur.

© Volodymyr Yaremchuk, 2008
E-mail: yaremchuk1@yandex.ru

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